30.05.2024 - Zagreb
620 km, 10 h
Seit ein paar Tagen beobachte ich die Großwetterlage. Der ganze Mai war schon sehr durchwachsen. Und wieder kommt ein Adriatief daher. Trotzdem beschließe ich, wieder einmal nach Kroatien zu
fahren.
Ich starte kurz vor 6.00 morgens bei leichtem Nieselregen. Als erste Etappe wähle ich die Fahrt über Kitzbühel, den Pass Thurn, Mittersill und den Felbertauern nach Lienz. Die ganze Fahrt regnet es leicht, kurz vor dem Felbertauerntunnel sogar einmal recht heftig. Oben hat es 9 Grad. Kurz vor Lienz hört dann der Regen auf und den Rest des Tages bleibe ich trocken. Bei Oberdrauburg schwenke ich nach Süden und fahre über den Gailbergsattel in das Gailtal. Hier ist es immer wieder herrlich zu fahren. Inzwischen hat sich auch die Sonne durchsetzen können und es ist optimales Tourenwetter. Daher bleibe ich bei der Fahrt Richtung Osten und komme nach einer kurzen Pause im Rosental bald nach Eisenkappel und Bad Vellach. Dort geht es dann die vielen Kurven und Kehren flott über den Seebergsattel über die Grenze nach Slowenien.
Es ist relativ wenig Verkehr und ich komme gut voran. Bei Ljubljana fahre ich vorbei und komme, immer kleine Straßen benützend, zum heutigen Etappenziel nach Zagreb. Dort habe ich bereits vorweg eine Unterkunft gebucht. Um ca. 16.00 bin ich am Platz vor der Zentralbank, zu der ich morgen muss. Ich trinke einen Espresso und genieße die warmen Sonnenstrahlen. Dann fahre ich noch die paar Minuten zum B&B Grand Bells. Die KTM kann ich im Hof sicher unterstellen. Nach der Dusche vertrete ich mir noch ein wenig die Beine in der Umgebung und finde dann ganz in der Nähe ein gutes Lokal, wo ich mir auf der überdachten Terrasse ein Steak und ein, zwei Biere gönne :-). Es schmeckt hervorragend. Anschließend mache ich noch einen kurzen Verdauungsspaziergang, bevor ich mich dann früh zur Ruhe begebe. Es war doch eine sehr lange Anfahrt.
31. Mai 2024 - Mostar
ca. 600 km
Nach dem ausgiebigen Frühstück um 7.30, wo ich noch ganz alleine im Frühstücksraum bin, gehe ich zu Fuß ca. 12 Minuten zur kroatischen Zentralbank. Ich bin noch etwas zu früh und muss noch 20 Minuten warten. Daher schaue ich mir die Geschäfte in der Umgebung an. Zurück bei der Bank tausche ich noch die kürzlich daheim in einer Schublade aufgetauchten Kuna in Euro um. Damit ist die Reisekasse gut aufgebessert. Inzwischen hat es wieder etwas eingetrübt und es schaut nach Regen aus. Zurück im Zimmer packe ich alles ein und ziehe die Motorradkluft an. Ich verabschiede mich von der Vermieterin und schmiere vor der Abfahrt noch die Kette. Dann geht es weiter mit dem Ziel Mostar. Die erste Stunde nach Zagreb ist ziemlich öd, ein Ort reiht sich an den anderen, man zuckelt mit 50 km/h dahin. Kurzzeitig regnet es ganz leicht. Die Richtung geht ziemlich genau nach Süden. Bei Kostajnica überquere ich die Grenze nach Bosnien-Herzegowina. Es ist lange her, dass ich bei einem Grenzübergang den Pass und bei den Koraten sogar die KFZ-Papiere vorweisen musste. Einer der vielen Vorteile, wenn man in der EU ist. Danach kommen viele schöne Straßenabschnitte. Über Cadavice, Jezero, Bugjono, Prozor-Rama und viele weitere kleine Orte komme ich meinem Ziel immer näher. Irgendwo bei Jablanica ist die Straße gesperrt und ich muss einen Umweg machen. Es geht über ein kleines Sträßchen wieder Richtung Norden und nach einigen Kilometern wieder hinunter ins Tal neben den Fluss. Komplett alleine und ohne Gegenverkehr geht es ein paar Kilometer flott dahin, dann ist wieder gesperrt. Der Polizist beschreibt mir die Ausweichroute. So komme ich auf ein ganz tolles Hochplateau, wo es sich herrlich fahren lässt. Es ist etwas windig, aber schön. Irgendwann geht es dann wieder in die richtige Himmelsrichtung.
Inzwischen haben sich die Wolken verdichtet und ich ziehe vorsichtshalber die Regenjacke über. Das war gut so, dann bald schon kommt eine Gewitterfront. Ich fahre durch ein Tal neben dem Bach. Gleich zu Beginn ist ein kurzer Stau. Nur ein paar Autos vor mir ist ein LKW in einer Kurve über die Leitschiene in den Graben gestürzt und liegt dort seitlich im steilen Gelände im Gebüsch. Hilfe ist bereits unterwegs und ich habe Glück, dass ich gleich weiter fahren kann. Auf der Gegenfahrbahn bildet sich rasch ein großer Stau. Es schüttet abschnittsweise und es ist sehr windig. Ich beiße durch, denn allzu weit ist es ja nicht mehr. Kurz vor Mostar hört dann auch der Regen auf.
An einer Tankstelle bleibe ich stehen und tanke wieder voll. Dann suche ich im Internet ein Hotel. Das Datenroaming funktioniert nicht, ich habe vergessen, dass ich nicht mehr in der EU bin. Zum Glück gibt es bei der Tankstelle ein offenes W-Lan. So buche ich ein Hotel in der Nähe der Altstadt und bin auch schon 15 Minuten später dort angekommen. Ich beziehe mein Zimmer im 5. Stock und genieße die Dusche.
Inzwischen hat es wieder zu regnen begonnen. Ich leihe mir im Hotel einen Regenschirm und spaziere in die Altstadt. Das nasse Bachsteinpflaster ist ziemlich rutschig. Durch das Wetter halten sich aber die Menschenmengen in Grenzen. So besichtige ich die bekannte Brücke über die Neretva und finde anschließend ein Lokal, wo ich sehr gut zu Abend esse.
1. Juni - Insel Pag, Crkvenica
ca. 700 km
Nach dem ausgiebigen Frühstück auf der sonnigen Terrasse fahre ich um 9.00 Uhr wieder los. Es geht Richtung Westen über kleine, kurvige Straßen nach Kroatien. Das Wetter ist schön, es wird schon bald warm. Beim Grenzübergang in Osoje wird wieder genau kontrolliert und ich bekomme sogar einen Sichtvermerk im Pass. Das erinnert an frühere Zeiten. Die weitere Fahrt durch das Hinterland Richtung Zadar über kleine kurvige Sträßchen mit kurzen Verschnauf- und Trinkpausen verläuft ruhig und angenehm. Immer wieder sind ganz tolle Straßenabschnitte dabei und ich genieße die Fahrt.
Bei Zadar fahre ich vorbei und über die Brücke auf die Insel Pag. Der südliche Teil ist sehr karstig, wie eine Mondlandschaft. In Pag mache ich eine längere Rast. Dann fahre ich noch bis Novalja, wo die Fähre nach Przina ablegt. Ich komme ein paar Minuten zu spät und sehe noch die Fähre ablegen. Macht nichts, dann geht es eben wieder über die Insel zurück zum Festland. Die KTM braucht wieder eine Tankfüllung und dann geht es ziemlich flott die Strecke retour. Den Abschnitt der Küstenstraße entlang kenne ich ja schon. Besonders herrlich ist wieder die Straßenführung zwischen Karlobag und Senj. Schließlich komme ich nach gut 700 km Tagesstrecke in Crkvenica an, wo ich wieder in Motorradpension Berto wie im Vorjahr ein Zimmer bekomme. Nach der Dusche bekomme ich zur Begrüßung wieder eine Brettljause, das Bier dazu schmeckt besonders gut. Am Abend spaziere ich noch ein bisschen am Strand entlang und begebe mich anschließend zur Nachtruhe und lasse vor dem Einschlafen die wunderschönen Bilder des Tages in Gedanken vorbeiziehen.
2. Juni - Heimfahrt
Nach dem Frühstück wird wieder alles eingepackt und ich starte die Heimfahrt. Zuerst geht es nach Rijeka und dann bei Rupa über die Grenze nach Slowenien. Am Navi wähle ich als Routenoption kurvenreiche Straßen. So gelange ich immer weiter Richtung Norden und fahre schließlich beim Predilpass über die Grenze nach Italien. Über Tarvis, Arnoldstein, Hermagor fahre ich nach Weißbriach. Dort esse ich eine Gulaschsuppe. Während ich esse beginnt es wieder zu regnen, aber es lässt bald schon nach und hört auf. In Lienz wird wieder ein Tankstopp notwendig. In Matrei in Osttirol lege ich dann wieder die Regenjacke an, denn die Wolken werden immer dunkler. Nach dem Felbertauerntunnel regnet es dann immer wieder, manchmal mehr, manchmal weniger. Schließlich komme ich gut wieder zuhause an.
Es war wieder eine herrliche Tour, unglaublich schöne Straßenabschnitte und interessante Landschaften, unzählige Kurven und ein tolles Fahrvergnügen. Insgesamt stehen 2.216 km am Tageszähler.